Frühlingserwachen – Lust am Stress oder entschleunigtes Leben?

Die Natur erwacht aus ihrem Winterschlaf, die warmen Sonnenstrahlen laden zum Verweilen im Freien ein, die ersten Boote gleiten über das Wasser, fröhliche Menschen tummeln sich am Seeufer oder in den Wäldern – hurra, es ist Frühling!

Gesund durch Stress – eine gewagte Behauptung! Der Mensch benötigt Herausforderungen und Adrenalinkicks, um ein zielgerichtetes und sinnvolles Leben führen zu können. Erst beim „entschleunigten“ Leben auf der Couch können Gesundheitsprobleme auftreten. Denken Sie an das Beispiel einer alleinerziehenden und berufstätigen Mutter. Sie hat Ziele im Leben. Sie muss arbeiten, um ihren Kindern eine Ausbildung und ein unbeschwertes Leben ermöglichen zu können. Die Kinder sind selbstständig und erwachsen. Plötzlich ist die Mutter ohne Ziele und fällt möglicherweise in eine schwere Depression, obwohl sie bequem und stresslos ihren Alltag gestalten könnte.

Nicht der Stress ist ungesund, sondern wie die jeweilige Person damit umgeht! Wer keine geeigneten Stressbewältigungsstrategien hat, fällt mit höchster Wahrscheinlichkeit in eine Phase in der wo nichts mehr geht - „Burnout“! Stress gehört zu unserem Alltag. Er begleitet uns im Beruf und in der Freizeit. Durch den Stress kann sich eine Person geistig und körperlich weiterentwickeln. Denn Gesundheit ist nicht nur die Abwesenheit von Krankheit, sondern die tägliche Herausforderung für unser persönliches Wohlbefinden etwas zu tun.

Schonhaltungen, jedes Wochenende entspannt auf der Couch zu verbringen, Freunde nicht zu treffen oder keine Aktivitäten zu planen, sind sehr oft nicht gesundheitsfördernd, sondern krankmachend. Ich vereinsame im „entschleunigten“ Leben auf meiner Couch! Ist alles was Spaß macht verboten? Nein, auf die Dosis kommt es an! Alkohol in Maßen genossen, kann Spaß in einer geselligen Runde bereiten. Schon Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus, formulierte, dass die Dosis entscheidend ist. Geringe Mengen einer schädlichen oder giftigen Substanz können eine positive Wirkung auf den menschlichen Organismus haben.

Die eigene Lebensdevise sollte lauten: Mehr Gesundheit durch wohldosierte An- und Entspannung. Nach jeder Stresssituation soll der Mensch geeignete Bewältigungssysteme haben, um seine Energien wieder aufladen zu können – und es kann auch einmal ein Wochenende ohne schlechtes Gewissen auf der Couch verbracht werden, aber nicht 52 Mal im Jahr! Nach der Devise: Und es gibt das schlechte Wetter doch …

Der moderne Mensch soll sich auch von der Vorstellung verabschieden, in Extremen zu denken und zu leben. Vielen Menschen ist das Gespür für die goldene Mitte verloren gegangen. Ein Beispiel aus der Dermatologie: Die Annahme, wir müssten uns ständig vor der Sonne schützen, ist missverständlich und ungesund! Diese Sonnenangst erklärt, warum so viele Menschen unter Erkrankungen leiden, die mit Sonnenmangel zusammenhängen. Unter dem Motto „der Mensch ist kein Wunderwerk der Technik, sondern Wunderwerk der Natur“ ist folgendes zu verstehen: Ein Auto verliert an Wert, je mehr es an Kilometer gefahren wird. Aber beim Menschen gilt der Alltagsspruch: „Wer rastet, der rostet!“ Wer tagelang oder auch monatelang nur auf der Couch liegt, hat wissenschaftlich belegt, eine kürzere Lebenserwartung. Durch regelmäßige Bewegung kann sich der menschliche Körper selbst erneuern und regenerieren. Das Frühjahrswetter bietet vermehrt Sonnenlicht und Sonnenwärme dafür.

Somit soll Gesundheit ein alltäglicher Prozess sein. Gesundheit soll jeden Tag neu aufgebaut und gepflegt werden. Sieben Regeln für den Genuss:

• Genuss braucht Zeit
• Sich selbst Genuss erlauben
• Genuss geht nicht nebenbei
• Jedem das Seine
• Weniger ist mehr
• Ohne Erfahrung kein Genuss
• Genuss ist alltäglich

Zentrale Aufgabe eines jeden soll die Bewältigung von Spannungszuständen sein. Gelingt das, dann hat dieser Prozess eine gesundheitserhaltende und gesundheitsfördernde Wirkung.

Stress ist ein notwendiges Lebensprinzip! Ein stresssteriles Leben gibt es nicht, Stressentzug wäre lebensfeindlich und lebensfremd zugleich. Wer die Konfrontation mit den Stressoren zu vermeiden versucht oder gar nicht lernt, mit ihnen umzugehen, ist ihnen am Ende hilflos ausgeliefert. Soll das eigene Leben möglichst reizvoll gestaltet werden, darf man sich den Stressreizen nicht entziehen. Stress kann die Würze des Lebens sein. Stellen Sie sich einmal vor: Sie müssen nicht viel arbeiten und Sie verdienen viel Geld – ist doch erstrebenswert? Viele möchten diese Frage sicher mit „ja“ beantworten. Aber in Wirklichkeit ist das eine grauenhafte Vorstellung, weil nichts Schlimmeres passieren kann, als nichts Sinnvolles über längere Zeit zu tun zu haben. Langeweile kann energielosen Zustand fördern. Jeder Mensch braucht eine Herausforderung im Leben, denn Langeweile kann auch das Selbstwertgefühl reduzieren und eine depressive Störung fördern. Vielfach ist dieser Zustand der Unterforderung als „Boreout“ (sich langweilen) bekannt.

Natürlich braucht der menschliche Körper und die Psyche auch regelmäßige Auszeiten zur Regeneration. Wir alle leben im Zeitalter der Informations- und Reizüberflutung, da soll regelmäßiges Abschalten zum Lebensrhythmus gehören – eine gesunde Work-Life-Balance. Die sich selbst verordneten Auszeiten können als regelrechter Motivations- und Kreativitätsschub dienen. Versuchen Sie es einmal selbst: Legen Sie sich auf eine Wiese und lassen die Schäfchenwolken an sich vorüberziehen. Ihr Motto sollte dabei lauten: „In der Ruhe liegt meine Kraft!“

Mit den besten Wünschen für einen schönen Frühjahrstag!

P.S.
Der Diplomlehrgang zum Stresspräventionstrainer - startet am 27. Mai 2016 in Wien.
Nähere Informationen unter www.oebbg.at
oder telefonisch unter +43 676 6396902

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